Julian Assange ist frei

Die Gerüchte haben sich bestätigt, er hat London verlassen und ist auf dem Weg in seine Heimat Australien

Portrait Assange
Bild: hafteh7 auf Pixabay

Nach jahrelangem Tauziehen um den Wikileaks-Gründer Julian Assange gibt es endlich die Bestätigung: Julian ist frei und hat wohl schon Großbritannien verlassen. Die letzten fünf Jahre hatte er in London im Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh verbringen müssen, davor war er rund sieben Jahre in einer Botschaft von der Öffentlichkeit isoliert. Ihm war von den USA vorgeworfen worden, geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan veröffentlicht zu haben.

In der Nacht hatte WikiLeaks folge Erklärung auf X abgegeben:

„Julian Assange ist frei. Am Morgen des 24. Juni verließ er das Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh, nachdem er dort 1901 Tage verbracht hatte. Der High Court in London gewährte ihm Kaution und er wurde am Nachmittag am Flughafen Stansted freigelassen, wo er ein Flugzeug bestieg und Großbritannien verließ.

Dies ist das Ergebnis einer globalen Kampagne, die Basisorganisatoren, Aktivisten für Pressefreiheit, Abgeordnete und Politiker aus dem gesamten politischen Spektrum bis hin zu den Vereinten Nationen umfasste. Das schuf den Raum für eine lange Verhandlungsphase mit dem US-Justizministerium, die zu einem Abkommen führte, das noch nicht offiziell abgeschlossen ist. Wir werden so bald wie möglich weitere Informationen bereitstellen.

Nach mehr als fünf Jahren in einer 2×3 Meter großen Zelle, in der er 23 Stunden am Tag isoliert war, wird er bald wieder mit seiner Frau Stella Assange und ihren Kindern vereint sein, die ihren Vater nur aus dem Gefängnis kennen.

WikiLeaks veröffentlichte bahnbrechende Geschichten über Regierungskorruption und Menschenrechts-verletzungen und zog die Mächtigen für ihre Taten zur Rechenschaft. Als Chefredakteur musste Julian für diese Prinzipien und für das Recht der Menschen auf Information einen hohen Preis zahlen. Bei seiner Rückkehr nach Australien danken wir allen, die uns zur Seite standen, für uns kämpften und sich mit vollem Einsatz für seine Freiheit einsetzten. Julians Freiheit ist unsere Freiheit.“

Assanges Anwälte sollen mit dem US-Justizministerium einen Deal ausgehandelt haben, wonach er sich in dem Spionageskandal in einem Punkt schuldig bekennt, in dem die Strafe von angeblich 62 Monaten aber als verbüßt gelten soll. Das würde wohl der Haft im Londoner Belmarsh-Gefängnis entsprechen. Ein Gericht müsse die Einigung noch bestätigen. Assange solle daher morgen Nacht vor einem Gericht in dem US-Außengebiet der Marianen-Inseln erscheinen. Von dort könnte der Australier dann endlich in seine Heimat zurückkehren. Aber werden die USA ihn jemals in Ruhe lassen? Und vergesst nie, wie die Mainstream-Medien sich gegen ihn gewendet hatten.

Die UNO hatte die Haftbedingungen von Assange als Folter bezeichnet. Weltweit hatten sich viele Menschen, auch Journalisten, hinter ihn gestellt. Auch wenn der Ausgang jetzt ein positiver zu sein scheint, wird der Fall Assange immer wie eine Drohung gegenüber freiem Journalismus und der Meinungs- und Pressefreiheit wirken. Selbst wenn er einen Deal mit der US-Justiz eingehen musste, um sein Leben zu retten, bleibt es die Wahrheit: Julian Assange hat keine Verbrechen begangen, sondern als Journalist Kriegsverbrechen der USA aufgedeckt. Und er hat sich der Gewalt des US-Imperialismus nicht gebeugt. Dafür sind wir ihm zu Dank verpflichtet.