Kayvan Soufi-Siavash und Tino Chrupalla führen ein kluges und differenziertes Gespräch

Flavio von Witzleben (17.01.2025) – Bild: scienzz
Über das Gespräch von Kayvan Soufi-Siavash, ehemals Ken Jebsen und Tino Chrupalla am 22. Januar 2025 zum Thema „ Mögliche Entwicklungen der AfD“, moderiert von Flavio von Witzleben, hatte es schon im Vorfeld durch Kayvans „Wahlempfehlung“ für die AfD einige Aufregung und Kritik gegeben. Ich hatte dies bereits damals als den Versuch wahrgenommen, eine ernsthafte und schwierige Diskussion zu wagen. Ich teile die Kritik nicht. Auf die Charakterisierung, das sei „white washing“ wäre ich nie gekommen. Ich finde es vielmehr gut, dass zwei Leute mit unterschiedlichen Standpunkten sich dennoch zu einem Gespräch bereitfinden. Kayvans Argumentation scheint mir differenziert und nachvollziehbar, auch wenn mir bewusst ist, dass eine Werbung für die „Gegenposition“, wie sie das BSW vertritt, eigentlich eine ähnliche Grundhaltung erfordern dürfte. Das Gleiche möchte ich aber auch über Chrupalla sagen. Ich befürchte, der Begriff des „white washing“ – festgemacht unter anderem am Thema AKW – macht keinen großen Unterschied zu dem der „Brandmauer“, wie ihn die Systemparteien gegenwärtig anwenden.
Es läuft beides darauf hinaus, gar nicht erst mit einer wahrgenommenen feindlichen Gegenseite zu reden. Mir fiel das Lied von Franz-Josef Degenhard ein, „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, sing nicht ihr Lieder…“ ein. Wohlgemerkt, das fiel mir nicht erst jetzt ein, sondern schon bereits vor Monaten bei der Begründung von Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine, warum sie nicht mit der AfD kooperieren, geschweige denn koalieren wollten. Es bedeutet letztendlich eine, zugegebener Maßen, gefühlte Mehrheit der Bevölkerung gegen Ampelregierung und Kriegstreiberei politisch alleine zu lassen und sich der beschwerlichen Debatte über dieses unangenehme Thema und mögliche politische Auswege zu entziehen. Obwohl in der Bevölkerung, zumindest in den östlichen Bundesländern, offen und leidenschaftlich darüber diskutiert wird. Dort wird teilweise immer noch auf eine Koalition von AfD und BSW gehofft.
Wie läßt sich diese historisch verzwickte Lage charakterisieren? Zum einen sicher mit dem Begriff der „Deindustrialisierung“. Tatstsächlich sind alle Systemparteien samt den Gewerkschaften längst reine Statthalter des US-Imperiums. Sie sind ausnahmslos „Neocons“. Dies ist die aktuelle Ideologie des Kapitalismus. Diese Konvertiten vollstrecken die Anweisungen des Washingtoner „Blop“, also der Akteure und Steuerleute des tiefen Staates. Sie zerstören gehorsam und sehr bewusst die Grundlagen unserer hiesigen Wirtschaft. Die einzigen Parteien, die noch nicht vom Blop mit einem Ring in der Nase durch die Manege geführt werden, sind AfD und BSW. Diese Einschätzung, selbst wenn sie strittig ist, muss ausreichen, um mit ihnen sprechen zu können und zu wollen. Ohne eine politische und ökonomische Debatte wird Deutschland nicht aus dieser Lage herauskommen, wird die Demokratie bzw. das, was davon noch übrig ist, nicht mehr zu retten sein. Es ist aus meiner Sicht tragisch, dass beide Parteien in Sachen Frieden (Ukraine, Gaza) und NATO offenbar Positionen vertreten, die alles andere als konträr sind. Und trotzdem diskursloss bleiben.
Ich weiß, dass viele Unternehmen nicht aufstecken wollen und nach individuellen Wegen suchen, um sich aus dieser Situation zu befreien. An dieser Stelle möchte ich aber betonen, die Energieprobleme auf die Kernenergie zu reduzieren, halte ich für eine Verharmlosung. Neben dem AKW-Aus wird zeitgleich von der Ampel ein Ausstieg aus der Kohleverstromung praktiziert – siehe aktuell der Abriss des modernen Kohlekraftwerks HH-Moorburg. Der betrifft auch die Fernwärmeversorgung. Aber nicht nur das. Elektromobilität und die sogenannte Wärmewende (mit der Wärmepumpenlegende) zeitgleich zu puschen halte ich für ein perfides politisches Vorgehen. Wer argumentiert, die Grünen und ihr Habeck seien einfach blöde und inkompetent, verschließt die Augen vor der Planmäßigkeit ihres Vorgehens. Wenn weder Gas noch Kohle, noch Öl und Kernenergie akzeptabel sind, womit soll gewirtschaftet werden?
Ich selbst war und bin lange ein Fan der Solarenergie und kein Freund der Kernenergie. Mein Schwerpunkt lag dabei allerdings immer auf der Solarthermie als einer unterstützenden, kostensenkenden, solaren Lösung. Also Solar als eine weitere Energiequelle, welche die vorhandenen sinnvoll ergänzen kann. Darüber habe ich Bücher und viele Artikel geschrieben. Die sind noch verfügbar. Weniger bekannt ist, wie konsequent Solarthermie von Grünen und ihren Anhängern bekämpft wurde. Sie wollten immer die reine Transformation, die „all-electric-society“ mit Erneuerbaren. Also Photovoltaik und Windenergie. Das ist seit Ende der Nullerjahre das grüne Glaubensdogma. Darüber wurden ab einem bestimmten Zeitpunkt keine fachlichen Diskussionen mehr geführt. Politische auch nicht mehr. Mit der Klimadiskussion wurde die eigene Klientel unter Druck gesetzt, ausgerichtet und Andersdenkende aus der Solarcommunity vertrieben bzw. entfernt. Mit Corona haben die grünen Konvertiten endgültig Tabula rasa gemacht. Auch ich war davon betroffen. Ich erinnere mich noch gut an diese heftigen Auseinandersetzungen.
Ich bin auch heute kein Gegner von Solar, aber alles andere als ein Freund dieser woken, sektenhaften Solargemeinde. Ich habe fast sieben Jahre an einem Hitzearbeitsplatz als Maschinenführer in einem Industriebetrieb gearbeitet und verfüge über eine handfeste Vorstellung davon, was es bedeutet, wenn die erforderliche Energie langsam (oder überfallartig) unbezahlbar wird. Ich möchte nicht in der Haut meines Nachfolgers im Betriebsrat stecken. Das muss ich ehrlicherweise zugeben, und es berührt mich zutiefst. Selbst wenn sich eine deutsche Regierung – meinethalben auch mit der AfD – finden würde, die die AKWs reaktivieren wollte, würde der US-Hegemon, der dies alles orchestriert und über seine Statthalter ideologisch und publizistisch absichert, dies sabotieren.
Insofern halte ich eine AKW-Diskussion sowie die These von white washing für eine Geisterdiskussion. Ohne eine tatsächliche Souveränität wird weder in Berlin noch in einer deutschen Konzernzentrale irgendetwas in Sachen AKW oder Nord Stream entschieden. Ob sich die AfD oder auch Kayvan darüber im Klaren sind, wurde nicht explizit diskutiert, aber ich hatte schon den Eindruck, dass dies der Fall sei. Mit white washing hat das rein gar nichts zu tun, aber alles mit Souveränität. Und wenn Kernkraft als einzige mögliche Art der Stromerzeugung vom Blop zugelassen würde? Die richtige Frage an die AfD – wie auch an das BSW – bestünde nach wie vor darin, ob sie sich dem Hegemon beugen würden oder nicht. Aber dazu müssten die Deutschen wieder in den inneren Diskurs über die Rückeroberung ihrer Souveränität gefunden haben. Womit wir wieder an Anfang wären. Miteinander reden!
An der Frage der Souveränität hängen alle andern Themen. Ob Rammstein, Aufrüstung oder Großindustrielle (das ist in meinen Augen übrigens eine Kategorie aus grauer Vorzeit) – das Imperium und sein Finanzimperialismus mit samt seiner geballten Medienmacht haben in unserem Land noch das Sagen. Aber seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion gibt es eine neue, wenig wahrgenommene Tendenz: Das Imperium befindet sich im Abstieg, ökonomisch wie politisch. Sich darüber Klarheit zu verschaffen, also auch über das große Bild die Debatte zu führen, ist in meinen Augen überlebensnotwendig. Das Gespräch von Kayvan und Chrupalla scheint mir ein Indiz dafür, dass die Zeit der Sprachlosigkeit der Corona-Ära zu Ende gegangen ist. Das ist für mich ein positives Ergebnis. Ob eine Wiedererlangung der Souveränität mit oder ohne Kernkraft gelingt, ist mir fast egal. Denn das dürfte noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern.
Dass allerdings Alice Weidel als „studierte Ökonomin“ den Unterschied zwischen Bruttosozialprodukt und Bundeshaushalt nicht zu kennen scheint, irritiert mich mehr als ihre Kritiklosigkeit gegenüber der Kernenergie. Das macht mich misstrauisch. Allerdings, und das sollte man in Rechnung stellen, die beiden Parteien – BSW und AfD – sind noch sehr jung und unausgegoren. Sie müssen es noch lernen, sich gegenüber den Neocons – auch in den eigenen Reihen – zu behaupten. Ist das ein Sympathiebonus? Nein, vielmehr Realismus. Ein Realismus, der durchaus auch in Rechnung stellt, dass eine der neuen Parteien –AfD und BSW – zum Speichellecker des Imperiums werden könnte. Bleiben wir also wachsam und diskutieren die weitere Entwicklung.
Quellen und Verweise:
Kayvan Soufi-Siavash & Tino Chrupalla (AfD) im Gespräch mit Flavio von Witzleben (17.01.2025)

