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17.08.2019 LITERATURGESCHICHTE

Wenn Künstler scheitern

Über verhinderte Projekte in Literatur- und Filmgeschichte

„Habent sua fata libelli“, heißt es in einem römischen Lehrgedicht über die Poesie aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., „Bücher haben ihre Schicksale“. Nämlich je nachdem, was das Publikum daraus macht, wollte der Verfasser, der Grammatiker Terentianus Maurus, sagen: Hat der Schriftsteller sein Werk erst einmal aus der Hand gegeben und veröffentlicht, entzieht sich das „Schicksal“ des Buches in der Öffentlichkeit seinem Einfluss. Der Satz gilt aber bereits vor der Publikation, zeigt der Sammelband über „Verhinderte Meisterwerke“ in Literatur und Film, den die Literaturwissenschaftler der Universität Bamberg jetzt herausgebracht haben. Ziemlich oft entfaltet das „Werk“ einen Eigenwillen, während es noch gar nicht geschrieben ist, sondern lediglich als Projekt im Kopf seines Autors existiert. Das ist besonders auffällig, wenn das geplante Buch sich gegen seine Realisierung hartnäckig sperrt. > mehr

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12.08.2019 - NEUERE GESCHICHTE

Der größte Mann aller Jahrhunderte oder des Satans ältester Sohn?

Napoleon und die Deutschen

Als Ende Oktober 1813, wenige Tage nach der „Völkerschlacht“ von Leipzig, der österreichische Feldzeugmeister Graf Colloredo den großherzoglichen Hof in Weimar besuchte, ließ er sich im Haus des Ministers Johann Wolfgang von Goethe einquartieren. Um seinen Gast zu ehren, trat Goethe ihm mit dem höchsten Orden auf der Brust entgegen, den er zur Verfügung hatte, dem Ritterkreuz der französischen Ehrenlegion. Colloredo war außer sich. „Pfui, Teufel“, rief er aus, „wie kann man so etwas tragen?“ Am Weimarer Hof hatte man dem Dichter seine Bewunderung für Napoleon als eine Marotte durchgehen lassen. Aber gerade unter den Literaten stand er damit allein auf weiter Flur. „Schlagt ihn tot, das Weltgericht/ fragt euch nach den Gründen nicht“, dichtete Heinrich von Kleist 1809 in seiner Ode „Germania an ihre Kinder“ – nämlich den „Wolf“, wie Kleist den Kaiser titulierte. Ernst Moritz Arndt nannte ihn „des Satans ältesten Sohn“. > mehr


07.08.2019 - WIRTSCHAFT

Als der Fahrstuhl nach oben den Dienst versagte

Der Trierer Historiker Lutz Raphael über den Abschied vom Malocher

Die Zahlen sind frappant. 1960 lag der Anteil der Industrie an der wirtschaftlichen Wertschöpfung in Deutschland noch bei 53 Prozent. Stahlwerke, Kohlezechen, Schiffswerften und Textilfabriken bildeten das „Rückgrat der Volkswirtschaft“. Bis 2012 sank dieser Satz auf 30 Prozent, ganze Betriebe und Produktionszweige verschwanden. In Frankreich vollzog sich parallel eine ähnliche Entwicklung. In Großbritannien, dem Ursprungsland der industriellen Revolution, hatte sich der Trend bereits einige Jahre früher bemerkbar gemacht. Bereits seit den 1960ern gingen industrielle Arbeitsplätze verloren. Vor einem halben Jahrhundert war der „typische“ Bewohner Westeuropas Industriearbeiter, heute sind die meisten Menschen in Dienstleistungsberufen tätigt. Ein „Abschied vom Malocher“ bringt der der Historiker Lutz Raphael von der Universität Trier die Entwicklung auf den Punkt: Die Länder Westeuropas wurden partiell „deindustrialisiert“. > mehr


02.08.2019 - LITERATURGESCHICHTE

Böse Bücher, böse Buben

Toxisches in der Literatur- und Ideengeschichte

Im Dezember 2016 erschien in der „Zeit“ eine Karikatur, auf der Trump, Putin und Berlusconi Zigaretten rauchend beieinander sitzen und diskutieren. Auf dem Tisch, unter dem Aschenbecher, liegt das Buch „Agonie des Realen“ von dem französischen Philosophen Jean Baudrillard. In dem aufgeschlagenen Band auf Trumps Oberschenkel ist „Anything Goes“zu lesen, jener Satz, der in den 1970er Jahren als Fazit des Traktats „Wider den Methodenzwang“ von dem österreichischen Wissenschaftstheoretiker Paul Feyerabend um die Welt ging. Die beiden „klassischen“ Abhandlungen, sollte die Zeichnung wohl suggerieren, hätten den drei Herren – und womöglich der populistischen Bewegung insgesamt – als Vorlagen für die Ausrufung eines „postfaktischen“ Zeitalters gedient. Nun ist zu unterstellen, dass Baudrillard und Feyerabend bei ihren Reflexionen über die Schwierigkeiten unseres Realitätsverständnisses dergleichen keineswegs im Sinn hatten. Aber ihre Bücher, einmal auf dem Markt, entfalteten ein Eigenleben, unabhängig von den Absichten ihrer Verfasser. > mehr


28.07.2019 - AMERIKANISCHE LITERATUR

Ein Walfänger war mein Yale und mein Harvard

Vor 200 Jahren wurde Herman Melville geboren, der Verfasser von Moby Dick

Man kann sich eben auf gar nichts verlassen, nicht einmal auf die renommierten Lexika. In seiner vierten Auflage aus dem Jahr 1889 behauptete „Meyers Konversationslexikon“, Herman Melville, der Autor der beliebten Südsee-Romane „Taipi“ und „Omu“, sei 1874 verstorben. Als Melville 1891 dann wirklich starb, war er beim Publikum in einem Maße vergessen, wie es sonst zu Lebzeiten kaum einem anderen großen Autor geschah. 1883 hatte Robert Stevenson 1883 seine „Schatzinsel“ geschrieben. Nach dem Bibelspruch, dass gestohlenes Wasser süß schmeckt, bediente er sich freizügig bei den Werken anderer Autoren, angefangen bei Defoes „Robinson Crusoe“, und räumte diese Entlehnungen bald danach auch freimütig ein. Melvilles „Moby Dick“ zu erwähnen, hielt er offenbar für unnötig, in der Voraussetzung, meinte später Rolf Hochhuth, dass den ohnehin niemand sonst gelesen hätte. Heute werden Melvilles Südsee-Romane immer noch gelesen. „Moby Dick“ dagegen gehört wie einige der späten Erzählungen unbestritten zur Weltliteratur. > mehr


23.07.2019 - RELIGIONSGESCHICHTE

"Wenn es um die Ehre Gottes geht, gibt es keine Grausamkeit"

Die frühen Christen und die antike Kultur

Traten die Besucher aus dem grellen Sonnenlicht in das Halbdunkel des Athene-Tempels, sahen sie vor sich die überlebensgroße Göttin aus weißlichem Marmor. Die Bauherren hatten weder Kosten noch Mühen gescheut, um ein Stück griechisch-römischer Kultur in die Wüste zu verpflanzen. Wahrscheinlich, meint die englische Historikerin und Journalistin Catherine Nixey, ließ sich der Künstler durch die berühmte Statue im Athener Parthenon inspirieren, als er den Auftrag erhielt, eine Athene-Statue für die syrische Oasenstadt Palmyra zu schaffen. Um 385 n. Chr. wurde die Statue enthauptet und vom Sockel gestürzt. Verantwortlich waren militante Christen, die ihrem Glauben, zwei Generationen, nachdem die Kaiser Galerius und Konstantin, zur Alleingeltung verhelfen wollten. Nach der Restauration wurde die Statue durch islamistische Fanatiker 2015 erneut zerstört > mehr


18.07.2019 - POLITISCHE KULTUR

"Kommunikationsabbruch gegenüber den orthodoxen Unwahrheitsgläubigen"

Vom Umgang mit Verschwörungstheoretikern

Umfragen zufolge glauben etwa 17 Prozent der Deutschen, dass die Anschläge auf das World Trade Center 2001 von der CIA durchgeführt wurden, um eine Rechtfertigung für den nächsten Krieg zu schaffen. Über 10 Prozent sehen im Impfen nicht eine Gesundheitsvorsorge, sondern einen Geschäftstrick der Pharmafirmen. Mehr als 10.000 Bürger halten die Bundesrepublik Deutschland nicht für einen Staat, sondern für eine „GmbH“, manche ziehen daraus den Schluss, „sich wehren“ zu müssen. Und ein halbes Jahrhundert nach der Mondlandung im Juli 1969 glauben nach wie vor viele Menschen, dass die ganze Aktion gar nicht stattgefunden hat, sondern ein „Fake“ war, inszeniert in den Filmstudios von Hollywood. „Verschwörungstheorien“ sind en vogue. Offenbar bietet ihnen das Internet einen besseren Nährboden, als es die gedruckten Medien früher taten. > mehr


13.07.2019 - DEUTSCHE LITERATUR

"Das Naheliegende darstellen, ohne jedoch gewöhnlich und langweilig zu sein"

Vor 200 Jahren wurde Gottfried Keller geboren

Der Schweizer Schriftsteller Adolf Muschg hat einmal bemerkt, dass die Autoren der meisten deutschen Entwicklungsromane seit Goethe den Erfolg ihrer Helden nur so zu sichern wussten, dass sie für ihn ein Leben abseits der sozialen und ökonomischen Realität arrangierten, mit poetischen „Residenzen und Rosenhäusern“. Die große Ausnahme bildet Gottfried Kellers Roman „Der grüne Heinrich“. Als Gottfried Keller die Lebensgeschichte seines Heinrich Lee konzipierte, zählte er 23 Jahre. Am 19. Juli 1819, vor nunmehr 200 Jahren, in Zürich geboren, hatte er zunächst eine Karriere als Landschaftsmaler ins Auge gefasst. Ausgestattet mit einer kleinen Erbschaft, zog er nach München, das damals die große Kunstmetropole Mitteleuropas war. Doch der Erfolg blieb aus, das ideale Selbstbild eines großen Künstlers, das Keller von sich selbst gepflegt hatte, ließ sich auf dem Kunstmarkt nicht verwerten. > mehr


08.07.2019 - POLITISCHE KULTUR

Geringe Schwerkraft auf dem Mond und die Belastbarkeit von Baustahl

Naturwissenschaftliche Argumente gegen Verschwörungstheorien

21. Juli 1969, vor 50 Jahren. Punkt 3 Uhr 56 MEZ betrat der amerikanische Astronaut Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Nachdem auch sein Kollege Buzz Aldrin die Landefähre verlassen hatte, rammten die beiden einen Fahnenmast in den Boden. Hunderte Millionen Menschen auf der Erde konnten live beobachten, wie die amerikanische Flagge auf dem Erdtrabanten hin und her schwang. Moment mal: Auf dem Mond gibt es keine Atmosphäre, da kann die Flagge doch gar nicht im Wind geflattert sein? Seit 50 Jahren hält sich die Theorie, die ganze Mondlandung wäre bloß ein Fake, gedreht in den Hollywood-Studios. Mit kleinen Fehlern, wie sie Fälschern nun einmal unterlaufen, zum Beispiel mit einer wehenden Flagge, obwohl die dargestellte Geschichte doch an einem Ort spielen soll, an dem kein Wind die Flagge in Bewegung setzen könnte. > mehr

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