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08.04.2020 - THEATER

Wie leidest du so grosse Not um aller Menschen Sünden willen!

Die Tradition der Passions- und Osterspiele

„Wen sucht ihr im Grab, ihr Anhängerinnen Christi?“, fragen die Engel. Und die Frauen antworten: „Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten, ihr Himmelsboten.“ „Er ist nicht hier. Er ist auferstanden, wie er es vorausgesagt hat. Geht und verkündet, dass er aus dem Grab auferstanden ist.“ Mit diesem gesungenen Dialog wurde einem Manuskript aus St. Gallen zufolge im 10. Jahrhundert in den Klöstern die Osterliturgie gefeiert. In der Folge wurde der Dialog zwischen den Frauen und den Engeln nach und nach um weitere, zum Teil frei erfundene Episoden erweitert. Etwa durch das „Krämerspiel“, das den Kauf der Salben darstellte; das gab Anlass zu allerlei Spitzen gegen das Kaufmannswesen. Und die Auferstehung wurde um ihre Vorgeschichte ergänzt, die mit der Zeit den Schwerpunkt der Spiele zur Karwoche und zu Ostern ausmachte, das Leiden und Sterben Jesu. Heute sind von diesem religiösen Theater vor allem noch die „Oberammergauer Passionsspiele“ erhalten geblieben > mehr

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magazin

03.04.2020 - KUNSTGESCHICHTE

Ein Künstler als Weltmacht

Vor 500 Jahren verstarb Raffael

Wenn die Besucher der Ewigen Stadt die Antikensammlungen in den Vatikanischen Museen absolviert haben, spätestens dann zieht es sie magisch zum Höhepunkt, hin zur Sixtinischen Kapelle. Der Gang der Touristenmassen durch den langen, schmalen Korridor mit den vielen Wandteppichen und gemalten Landkarten, der vorher zu bewältigen ist, entwickelt sich leicht zu einem Sturmlauf. Da ist die Versuchung groß, auch die letzten Räume unmittelbar vor dem Eingang zur Kapelle nur beiläufig zur Kenntnis zu nehmen. Dabei enthalten sie eines der großen „Highlights“ der Kunstgeschichte. 1508, im gleichen Jahr, als Michelangelo die Deckenfresken in der Kapelle begann, hatte Papst Julius II. die ersten Künstler Italiens beauftragt, ihm seine neuen Gemächer, die sogenannten „Stanzen“, auszumalen. Dass im Januar 1509 auch der erst 26-jährige Raffaele Sanzio da Urbino daran gehen durfte, eine der Wände zu gestalten, war vielleicht der Fürsprache seines alternden Lehrers Perugino zu verdanken. > mehr


29.03.2020 -KULTURGESCHICHTE

Wenn der Po zur Kusszone wird

Aus der Kulturgeschichte des Toilettenpapiers

Die Älteren unter uns werden sich noch erinnern: Zu Zeiten der deutschen Teilung war Toilettenpapier ein beliebtes Mitbringsel, sowohl wenn Westdeutsche ihre Angehörigen in der DDR besuchten, als auch wenn Bürger der DDR von einem ihrer raren Besuche im Westen zurückkehrten. In der Bundesrepublik hatte das weiche, hautfreundliche, saugfähige Tissue-Papier, das Ende der 1950er Jahre aufgekommen war, eine stille, wenn man so will: sanfte Kulturrevolution ausgelöst. In der DDR musste sich die Bevölkerung dagegen weiter mit dem harten Krepppapier behelfen. Wer hätte das gedacht, dass Klopapier in der Gegenwart wieder zur Mangelware werden könnte? Zwangsläufig ist diese Methode, sich den Hintern abzuwischen, keineswegs. In vielen alten Kulturen wurde ganz einfach die Hand genommen. > mehr


24.03.2020 - THEOLOGIEGESCHICHTE

Die Wundertaten des Jesuskindes und die Rückkehr der Seele in ihre Heimat

Die apokryphen Evangelien im frühen Christentum

Jesus habe Maria Magdalena mehr geliebt als seine übrigen Jünger, heißt es in einer frühchristlichen Schrift, die 1945 von Bauern bei dem ägyptischen Dorf Nag Hammadi gefunden wurde, „er küsste sie oftmals“. Leider ist der Papyrus am Ende dieses Satzes beschädigt. Die ersten Herausgeber dieses sogenannten „Philippusevangeliums“ haben wie selbstverständlich ergänzt „auf ihren Mund“ und damit eine Welle von Spekulationen losgetreten: Gab es eine Liebesbeziehung zwischen Jesus und Maria Magdalena? Das Philippusevangelium ist nur eines der vielen „apokryphen Evangelien“, die in den ersten Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung entstanden. Der Neutestamentlers Jens Schröter von der Berliner Humboldt-Universität bietet eine Einführung in dieses Kapitel frühchristlicher Literaturgeschichte. > mehr


18.03.2020 - DEUTSCHE LITERATUR

Was zu tun indes und zu sagen, weiss ich nicht

Vor 250 Jahren wurde Friedrich Hölderlin geboren

„Im Falle, dass die Franzosen glücklich wären, dürfe es vielleicht in unserem Vaterlande Veränderungen geben“, schrieb Friedrich Hölderlin im März 1799 aus dem Bad Homburg in Hessen an seine Mutter im württembergischen Nürtingen. Der Dichter, der heute als einer der größten Lyriker deutscher Sprache gilt, stand gerade vor seinem 29. Geburtstag. Welche Hoffnungen er auf den Vormarsch der französischen Truppen in Richtung Rhein setzte, zeigt das Trauerspiel „Der Tod des Empedokles“, an dem Hölderlin damals schrieb. „Dies ist die Zeit der Könige nicht mehr“, ließ er seinen Helden zu den Agrigentinern sagen. „Schämet euch, dass ihr noch einen König wollt.“ Wie konkret diese Hoffnungen auf einen revolutionären Umbruch waren, inwieweit Hölderlin in die Pläne für eine „Schwäbische Republik“ eingeweiht war, die damals in Intellektuellenkreisen kursierten – das gehört bis heute zu den großen Rätseln der deutschen Literaturgeschichte. > mehr


12.03.2020 - IDEENGESCHICHTE

Der Mythos von den geborenen Kaufleuten

Geschichte des Antisemitismus - vor und nach dem Holocaust

Es war während des „Frankfurter Häuserkampfs“ in den frühen 1970er Jahren. Im Stadtteil Westend blühte die Grundstücksspekulation. Unter den Kaufleuten, die daran verdienten, waren auch Mitglieder der jüdischen Gemeinde. Bei einer der Demonstrationen, erzählt der spätere Professor für Erziehungswissenschaften an der Goethe-Universität und Direktor des Fritz-Bauer-Instituts, Micha Brumlik, ging er neben einem Kommilitonen, der nach der Wiedervereinigung bei der Linkspartei Karriere machte. Der legte Brumlik gönnerisch den Arm um den Hals und sagte: „Ach, weißt du, Micha, du bist doch ganz anders als die anderen Juden.“ Brumlik hat sein neues Buch über die Geschichte des Antisemitismus vor und nach dem Holocaust mit einigen persönlichen Erinnerungen eingeleitet. Fälle von Alltags-Antisemitismus, die sich natürlich nicht mit dem nationalsozialistischen Massenmord in eine Reihe stellen lassen. Und dennoch … > mehr


06.03.2020 - PHILOSOPHIE

Materialismus und Soziologismus - und die Sehnsucht nach dem Bruch

Eine Philosophiegeschichte unserer Gegenwart

Die Philosophie sei „ihre Zeit, in Gedanken erfasst“, sagte einst Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Der „Zeitgeist“ als Stufe in der Entwicklung des Weltgeistes zu seiner Selbstverwirklichung: Hegels Zeitgenosse Goethe scheint da ein Stück weniger zuversichtlich gewesen zu sein. „Was ihr den Geist der Zeiten heißt“, ließ er seinen Faust sagen, „das ist im Grund der Herren eigner Geist, in dem die Zeiten sich bespiegeln.“ Dass das europäische Denken der Neuzeit vom Bemühen um „wissenschaftliche“ Erkenntnis geprägt ist, lässt sich wohl kaum bezweifeln. Und „das wissenschaftliche Weltbild“ unserer Gegenwart „ist materialistisch“, konstatiert der Frankfurter Soziologe Gerhard Preyer im abschließenden 14. Band der „Geschichte der Philosophie“, die in den letzten Jahren im Verlag C. H. Beck herausgekommen ist. > mehr


26.02.2020 - KIRCHENGESCHICHTE

Keine Rücksicht auf die öffentliche Meinung, wenn es um die Wahrheit geht

Vor 150 Jahren tagte das I. Vatikanische Konzil

Der kroatische Bischof Joseph Georg Stroßmayer griff zu einem drastischen Vergleich: „Die römischen Kaiser wurden durch einen servilen Senat zum Gott erhoben. Heute macht sich jemand selbst zum Gott, und wir sollen es unterschreiben.“ Stroßmayers Rede auf dem Ersten Vatikanischen Konzil löste einen Sturm der Entrüstung aus. Von anderen Bischöfen, die für das Dogma von der päpstlichen Unfehlbarkeit, der „Infallibilität“, eintraten, wurde er als „Protestant“ beschimpft. Und natürlich wurde sein Gedanke von der anti-katholischen Publizistik der Zeit gern aufgegriffen. Radikale unter den Befürwortern des Dogmas wiederum versuchten, das Argument ins Positive zu wenden. Das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes – es ist das, was sich der Mitwelt und Nachwelt vom Ersten Vatikanischen Konzil 1870/71 eingeprägt hat. > mehr


20.02.2020 - BRAUCHTUM

Wo die Vergnügungen am raffiniertesten sind

Karneval in Venedig

Goethe war in Verlegenheit. Am 28. September 1786 war er in Venedig eingetroffen und wollte sich nun gern einen „tabarro“ anschaffen, einen schwarzen Maskenmantel. „Denn man läuft schon in der Maske“, notierte er in sein Tagebuch. „Schon“ – in Venedig begann der Karneval Anfang Oktober und dauerte zunächst einmal bis zum Advent. Am Dreikönigstag ging das närrische Treiben erneut los, nun feierte man ununterbrochen bis zum Aschermittwoch, wenn um Mitternacht die Totenglocken von San Francesco della Vigna die Fastenzeit einläuteten. Zusätzlich gab es vor Pfingsten, in der Himmelfahrtswoche, noch einen „kleinen“ Karneval. Politisch besaß die Republik des hl. Markus, die einst wesentlichen Anteil daran gehabt hatte, dass Europa nicht von den Türken erobert wurde, im 18. Jahrhundert keine große Bedeutung mehr. Doch die Stadt wusste sich einen Ruf als die große Metropole des Vergnügens zu sichern – oder, wenn man es abwertend sehen wollte, der Ausschweifung. > mehr


14.02.2020 - FILM

Nostalgie nach einem unversehrten Deutschland

Die Themen Judentum und Antisemitismus in Thomas-Mann-Verfilmungen nach dem Zweiten Weltkrieg

Dass ein Bundespräsident bei einer Film-Uraufführung spricht, kommt nicht alle Tage vor. Als am 16. Dezember 2008 in der Essener „Lichtburg“ Heinrich Breloers „Buddenbrooks“-Film erstmals gezeigt wurde, ließ sich Horst Köhler wohl recht gern bitten. „Für uns Deutsche“, sagte er in seiner Festrede, „ist dieses Buch immer noch wie ein Spiegel unseres Wesens und unserer Kultur - wenn auch aus einer vergangenen Zeit.“ „Wenn wir nur genau hinsehen, können uns auch alte Geschichten etwas über uns selber erzählen.“ Mit Spiegelbildern von uns selbst und von unserer Vergangenheit ist das aber so eine Sache. Einmal davon abgesehen, dass bei dem Versuch, einen Roman zu verfilmen, im besten Fall ein ganz neues Kunstwerk herauskommt, im schlimmsten bloß eine Verhunzung des alten – ganz allgemein wird bei solchen „Spiegeln“ das Bedürfnis übermächtig, im Sinne eigener Selbstliebe zu retuschieren. Der Germanist Yahya Elsaghe von der Universität Bern hat jetzt in einer umfangreichen, ungemein detaillierten Studie die „Aneignung“ von Thomas Manns Erzählwerk durch Kino und Fernsehen im Deutschland der Nachkriegszeit analysiert. > mehr

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